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Den Kompromiss mit der Wirklichkeit muss ich erst noch finden
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Jeanne Szilit - invitation, red. no. 3


Edition - EIKON invitation, red. no. 3

aus der Serie "memories of other people"
Lambdaprint
40 x 50 cm, 2008/2009 
nummeriert und handsigniert
Auflage: 30 + IV

Preis: € 435,00 (inkl. 10% USt)

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Beschreibung

Jeanne Szilit
Idylle und Abgrund

Carl Aigner

Idyllisch, märchenhaft und schemenhaft gespenstisch wirken die neuen Fotoarbeiten der Künstlerin Jeanne Szilit, die zwischen Film und Fotografie zu changieren scheinen. Szilit punktiert die Zeit, tätowiert einen Moment mittels Licht, konstituiert ihn als aufgehobene Zeit, als deren Plötzlichkeit. Sie schneidet Zeitstücke, dekonstruiert den Fluss eines Geschehens in tausend mikroskopische Bildaugenblicke. Partikel des Realen werden zu Fragmenten fixierter Erinnerung. Bildräume gerinnen zu luziden Erscheinungen, zu erinnerten Traumgebilden, zu puren Licht- und Farbräumen, zu Imaginarien aus Sehnsucht, Begehren, Wehmut und Melancholie. So entsteht eine neue Emotionalität des Bildlichen, die weit über das Atmosphärische traditioneller Bilderwelten hinausgeht und den Betrachter in einen Zustand des Halluzinatorischen versetzt. Sigmund Freud beschrieb die Traumarbeit als Prozess der Verdichtung von Erlebnispartikeln zu neuen Bildgefügen. Jeanne Szilit ist sich dessen nicht nur bewusst, sondern realisiert dies als essentielle Bildstrategie: „Als Fotografin interessiert mich das Anhalten eines Geschehens und das Zeigen der offenen, oft unheimlich offenen Möglichkeit von Interpretationen.“ Nicht nur der „moment décisif“ (Cartier-Bresson) ist für sie maßgeblich, sondern eine Art extremer Aufmerksamkeit hinsichtlich emotional aufgeladener Bildtransformationen. Es gibt kaum bildliche Finalitäten, alles ist ein Provisorium des Unendlichen, Offenen. Wie überhaupt Jeanne Szilit in berührender, fast zärtlicher Weise das Transitorische des Daseins und seiner Erinnerungsspuren einzufangen imstande ist. Und es ist die große visuelle ihrer Bildkompositionen, die ein Konzert der Blicke ergibt und einen neuen ästhetisch-emotionalen Diskurs mit dem Werk möglich macht, der uns wie eine Nabelschnur mit unserer eigenen Erinnerungswelt verbindet, dem subjektiven Kosmos des Unersetzbaren.

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